Frank-Olivier Baechler
Mit Vorsicht, aber ohne Stillstand.» Das ist im Wesentlichen die Botschaft, die Präsident Patrick Gendre anlässlich der 79. Generalversammlung des Verbandes an die Mitglieder des FAV richtete. Angesichts der geopolitischen Spannungen, des wiederauflebenden Protektionismus, des Mangels an Fachkräften und der zahlreichen Unsicherheiten, welche die Weltwirtschaft belasten, würdigte er die Widerstandsfähigkeit der Schweiz und des Kantons Freiburg, ohne dabei die Chancen aus den Augen zu verlieren, die das aktuelle Umfeld für Unternehmen bieten kann, die in der Lage sind, vorausschauend zu handeln und sich anzupassen. In seinem Bericht wies Patrick Gendre darauf hin, dass die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2025 ihren Kurs beibehalten konnte. Jedes Wachstum musste jedoch hart erkämpft werden. Er lobte die Anstrengungen der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und hob gleichzeitig die Stärken des Kantons Freiburg hervor, dessen vielfältige Wirtschaftsstruktur dazu beiträgt, konjunkturelle Schwankungen abzufedern. «Freiburg bleibt ein attraktiver Kanton, eine Region für Innovation und Unternehmergeist», betonte er. Diese Erkenntnis darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die KMU nach wie vor mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert sind.


Erweiterte Direktion und neue Mandates
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat der FAV Anfang 2026 seine Direktion erweitert (siehe Kasten). «Die rweiterung der Direktion ist nicht nur eine organisatorische Anpassung, sondern ein wichtiger Schritt, um die Effizienz, Flexibilität und langfristige Weiterentwicklung unserer Organisation nachhaltig zu stärken», betonte deren Direktor Reto Julmy. Das Jahr 2025 hat die Wachstumsdynamik des FAV bestätigt, die insbesondere auf die Übernahme neuer Verwaltungsmandate sowie die schrittweise Erweiterung der Tätigkeitsbereiche zurückzuführen ist. Christian Schafer, stellvertretender Direktor, ging auf die positive Entwicklung im Gesundheitssektor ein, der durch die Aufnahme mehrerer Verbände geprägt war. Diese Dynamik begünstigte die Entwicklung von Synergien sowie die Einrichtung eines Kompetenzbereichs Gesundheit, der den Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren der Branche stärken soll.
Politische Kampagnen und Berufsbildung
Auf politischer Ebene spielte der Verband unter anderem eine entscheidende Rolle im Rahmen der Kampagne gegen die Einführung eines kantonalen Mindestlohns, der letztlich von der Freiburger Stimmbevölkerung abgelehnt wurde, wie der stellvertretende Direktor Daniel Bürdel darlegte. Die Generalversammlung bot zudem Gelegenheit, mit Genugtuung auf die kürzliche Ablehnung der eidgenössischen Volksinitiative zur Begrenzung der Schweizer Bevölkerung auf zehn Millionen Menschen hinzuweisen – ein Thema, für das sich der FAV ebenfalls stark engagiert hatte. Die Berufsbildung zählt weiterhin zu den wichtigsten Prioritäten des FAVs. In diesem Zusammenhang lag der Fokus auf dem weiteren Ausbau der Plattform «Berufsbildung Freiburg» sowie auf dem neuen Programm «Berufsbildner Freiburg», das darauf abzielt, die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in den Lehrbetrieben bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Direktion für Bildung und kulturelle Angelegenheiten (BKAD) soll zudem dazu beitragen, die Möglichkeiten des dualen Bildungssystems bei Schülerschaft, Eltern und Lehrpersonen besser bekannt zu machen. Der FAV hat zudem das Label «Freiburger Werte» erhalten, mit dem Organisationen ausgezeichnet werden, deren Werte und Praktiken die wirtschaftliche und menschliche Identität des Kantons widerspiegeln (siehe Artikel auf Seite 22).


Sicherheit und Wirtschaft: eine immer engere Verbindung
Im Namen des Staatsrats erinnerte Romain Collaud, Vorsteher der Sicherheits-, Justizund Sportdirektion, anschliessend daran, dass «die Sicherheit zu einer grundlegenden Rahmenbedingung der wirtschaftlichen Entwicklung geworden ist – beziehungsweise wieder geworden ist». Lange Zeit als selbstverständlich betrachtet, stellt sie heute sowohl für Unternehmen als auch für die gesamte Gesellschaft eine tägliche Aufgabe dar. Der Staatsrat ging insbesondere auf die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Cybersicherheit, dem Schutz kritischer Infrastrukturen und den Folgen der Verschlechterung der Sicherheitslage in Europa ein. An diese Überlegungen knüpfte Divisionär Rolf Siegenthaler, Chef der Logistikbasis der Armee, mit seinem Referat nahtlos an, indem er die engen Zusammenhänge zwischen Sicherheit, Versorgung und Wirtschaftstätigkeit hervorhob (siehe Interview auf Seite 8).
Die erweiterte Direktion im Gespräch
Um dem Wachstum seiner Aktivitäten und dem immer komplexer werdenden wirtschaftlichen Umfeld gerecht zu werden, hat der FAV Anfang 2026 eine erweiterte Direktion eingeführt. Diese Weiterentwicklung soll wichtige Kompetenzen stärken und der Direktion ermöglichen, sich verstärkt auf strategische Themen zu konzentrieren. Sechs Monate nach ihrer Ernennung beantworten Martina Guillod, Sonya Eicher und Alain Chapuis drei Fragen zu ihrer Rolle, den Herausforderungen ihres Bereichs und ihren Prioritäten.
Welches erste Fazit ziehen Sie nach sechs Monaten in Ihrer neuen Funktion?
Sonya Eicher, Arbeitsmarkt, Paritätische Kommissionen und IT: Dank meiner Erfahrung und meiner verschiedenen Funktionen innerhalb des FAV habe ich mich rasch in meine neue Rolle eingearbeitet. In den vergangenen Monaten konnten wir die IT-Prioritäten festlegen und Lösungen entwickeln, die den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und der Berufsverbände entsprechen.
Martina Guillod, Recht und Personalwesen: Die HR-Funktion ist sehr bereichernd, insbesondere auf menschlicher Ebene. Ich habe das Glück, mit und für motivierte Personen arbeiten zu dürfen. Zudem schätze ich es, mich stärker in die strategischen Fragestellungen des FAV einzubringen.
Alain Chapuis, Bereichsübergreifende Projekte: Ich ziehe eine sehr positive Bilanz dieser ersten Monate. Diese neue Funktion ermöglicht es mir, mich verstärkt an den strategischen Überlegungen und an der Weiterentwicklung des FAV zu beteiligen.
Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung für den FAV in Ihrem Verantwortungsbereich?
Sonya: Die Integration neuer Technologien, insbesondere der künstlichen Intelligenz, stellt eine zentrale Herausforderung dar. Diese Technologien bieten zahlreiche Chancen, müssen jedoch pragmatisch und auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt eingeführt werden.
Martina: Die Qualität der Dienstleistungen des FAV hängt direkt von unseren Mitarbeitenden ab. Deshalb ist es wichtig, ihnen ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie täglich ihr Bestes geben können. Zudem liegt es mir am Herzen, ihre Identifikation mit den Werten und Aufgaben des FAV weiter zu stärken.
Alain: Eine der grössten Herausforderungen besteht darin, die Synergien zwischen den im FAV vereinten Berufsverbänden weiter auszubauen. Die Vielfalt ihrer Tätigkeitsbereiche stellt einen echten Mehrwert dar. Es gilt, Kompetenzen und Fachwissen rund um eine gemeinsame Vision zu bündeln, um bereichsübergreifende Projekte zu entwickeln, die allen Verbänden und ihren Mitgliedern zugutekommen.
Was ist Ihre wichtigste Priorität für 2026 im Rahmen dieser neuen Funktion?
Sonya: Die digitale Transformation des FAV weiter voranzutreiben, indem wir nützliche und zuverlässige Instrumente entwickeln, gleichzeitig die Sicherheit der Informationssysteme zu gewährleisten und die Direktion
aktiv bei ihren Aufgaben zu unterstützen.
Martina: Unsere Prozesse weiter zu strukturieren, neue Projekte zu entwickeln und unsere Mitarbeitenden zu begleiten. Zudem freue ich mich auf den Eintritt einer HR-Fachspezialistin im Herbst, die unser Team verstärken wird.
Alain: Meine wichtigste Priorität ist die Einführung eines elektronischen Dokumentenmanagementsystems (DMS) innerhalb des FAV. Nach einer umfangreichen Vorbereitungsphase soll ab Herbst 2026 die konkrete Umsetzung des Projekts beginnen.