REON – wenn Gebäude zu Ressourcen der Kreislaufwirtschaft werden


Mithilfe eines prädiktiven Analysetools unterstützt das Start-up REON Akteure der Immobilienbranche dabei, das Wiederverwendungspotenzial von Gebäudekomponenten zu erkennen und zu nutzen. Ein Gespräch mit der Gründerin Maria Sivers an der Schnittstelle von Bauwesen, Daten und Kreislaufwirtschaft.

Was hat Sie zur Gründung Ihres Start-ups inspiriert?

Jedes Jahr werden weltweit Millionen von Gebäuden abgerissen, was zu enormen Mengen an Abfall, CO₂-missionen und verlorenen Ressourcen führt – oft noch bevor die tatsächliche Lebensdauer endet. Dabei könnte ein grosser Teil dieser Komponenten – Träger, Fenster, Stützen, Deckenplatten – direkt wiederverwendet werden. Dieser systematische Wertverlust hat mich dazu bewogen, ein Instrument zu entwickeln, das die Wiederverwendung sichtbar, messbar und wirtschaftlich tragfähig macht – bevor es zu spät ist, um zu handeln.

Können Sie uns in wenigen Worten erklären, worin Ihre Innovation besteht? Wie funktioniert sie?

REON ist ein Entscheidungshilfetool, das bestehende Gebäude auf Basis der verfügbaren Daten analysiert – digitale Pläne, BIM-Daten, technische Informationen oder sonstige Referenzdokumente. Es scannt die Bauteile, bewertet ihren finanziellen Wert, ihre CO₂-Bilanz, ihre technische Eignung und ihre Marktnachfrage. Dank eines firmeneigenen Indexes – des Reuse Viability Index – können Entscheidungsträger objektiv zwischen Wiederverwendung, Anpassung oder Abriss wählen.

Wirtschaftlichen und ökologischen Mehrwert schaffen

Über das Tool hinaus etabliert sich REON als wegweisender Akteur im Bereich des zirkulären Bauens. Gestützt auf Marktdaten aus Zehntausenden von Wiederverwendungstransaktionen in Europa schliesst das Start-up eine seit langem bestehende Entscheidungslücke bei Bauherren. Es ermöglicht, bereits in der Vorphase abzuschätzen, was tatsächlich wieder-verwendet werden kann, zu welchen Kosten und mit welcher CO₂-Bilanz – und das mit hoher Vorhersagegenauigkeit. Dieser faktenbasierte Ansatz macht die Wiederverwendung zu einer strategischen Entscheidung, die mit den ESG-Anforderungen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vereinbar ist. Gebäude werden zu zirkulären, messbaren und umsetzbaren Vermögensportfolios.

Wer sind Ihre derzeitigen Kunden und welche Märkte kommen für Sie in Frage?

Wir arbeiten hauptsächlich mit institutionellen Eigentümern, Immobilienentwicklern, öffentlichen Akteuren und Gemeinden zusammen. Diese Organisationen verwalten umfangreiche Portfolios und unterliegen zunehmenden ESG-Anforderungen. Langfristig richtet sich unsere Lösung über Partner und Marktplätze auch an KMU im Baugewerbe.

Welche Vorteile ergeben sich für Ihre Kunden?

Sie sparen Zeit und reduzieren Kosten, Risiken und Emissionen – bevor der Wert verloren geht und Experten für eine vertiefte Bewertung hinzugezogen werden müssen. REON liefert eine quantifizierte Prognose auf Basis realer Marktdaten. Es ist dieser multikriterielle und marktorientierte Ansatz, der uns auszeichnet, während viele andere Lösungen lediglich beratender Natur sind.

Was sind die nächsten geplanten Schritte?

Wir finanzieren unsere Entwicklung derzeit über das BRIDGE-Programm, das gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds und Innosuisse getragen wird. Wir führen Pilotprojekte mit Schweizer Immobilienpartnern durch, entwickeln unser SaaS-Modell weiter und legen die Grundlagen für ein Spin-off, das für 2026 geplant ist.

Abschliessend: Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit Fri Up?

Fri Up bietet wertvolle strategische Begleitung und Zugang zu wichtigen Netzwerken, um REON von einem innovativen Projekt zu einer glaubwürdigen und industrialisierbaren Marktlösung weiterzuentwickeln. Die Verankerung im Freiburger Ökosystem stellt zudem einen grossen Vorteil dar, insbesondere dank der Ausrichtung auf Habitat 4.0 und der Präsenz des Smart Living Labs der EPFL auf dem Gelände der bluefactory.