Overtech: die elektrische Gabel, die Unkraut vernichtet


Das in Villars-sur-Glâne ansässige Unternehmen Overney Technologie Sàrl (Overtech) entwickelt eine elektrische Unkrautgabel, die unerwünschte Pflanzen ohne Pflanzenschutzmittel beseitigen kann. Die an den Blaken in Weiden validierte Technologie wird von Ingenieur Edouard Overney umgesetzt und steht für eine 100 % freiburgische Agrarinnovation.

Edouard Overney, Maschinenbauingenieur mit Abschluss an der HEIA-FR und der Universität Nottingham, arbeitete sechs Jahre bei Liebherr Machines Bulle als Entwicklungsingenieur. Im November 2021 gründete er Overtech. Eine Begegnung mit einem Unternehmer, der Innovation, mechanische Präzision und Respekt vor dem Leben verbinden will.

Was hat Sie zur Gründung Ihres Start-ups inspiriert?

Als Kind musste ich mit meinem Grossvater Blacken ausstechen – eine langwierige und mühsame Arbeit. Ich dachte immer, es müsse eine effizientere Lösung geben. Aufgrund meiner Erfahrung in einem grossen Unternehmen hatte ich die Kompetenzen, um ein industrielles Entwicklungsprojekt zu leiten: Landwirte suchen Alternativen zu Herbiziden und die Ingenieurtechnik kann diese liefern.

Was ist Ihre Innovation?

Die elektrische Blackengabel, mit einer Arbeitsbreite von drei Metern, wird an der Front eines Traktors angebracht. Ein Generator, der an die hintere Zapfwelle des Traktors angeschlossen wird, erzeugt den elektrischen Impuls. Die Pflanze sowie ihr Standort werden von einer KI-Kamera erkannt; die Information wird an den Prozessor übermittelt, der einen Stromstoss in die Wurzel abgibt und so die Pflanze zerstört. Diese lokalisierte Behandlung hat keine Auswirkungen auf die Mikrofauna oder die umliegende Flora. Ein Hektar wird in weniger als zwei Stunden behandelt.

Wer sind Ihre Kunden und die potenziellen Märkte?

Der Hauptmarkt ist der Biolandbau, der 18 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz und zehn Prozent in der EU ausmacht. Die Zielgruppe sind Landwirtschaftsbetriebe, Maschinengenossenschaften und Gemeinden. Bei den ersten Versuchen mit Blacken war die Wirksamkeit überzeugend: Eine Erfolgsrate von 96 Prozent.

Wodurch unterscheidet sich Ihre Lösung?

Null chemische Rückstände, gezieltes Behandeln von Pflanze zu Pflanze, vollständig automatisiert. Wo manuelle Entwurzelung zu zeitaufwendig ist und die chemische Behandlung die gesamte Parzelle beeinträchtigt, greift unser System nur an genau der Stelle ein, an der das Unkraut erkannt wird.

Wie positionieren Sie sich gegenüber der Konkurrenz?

Einige Akteure erforschen die Elektrobehandlung von Unkraut, aber keiner kombiniert KI-Erkennung, Präzision auf Ebene der Einzelpflanzen und ein Gerät, das mit einem Standardtraktor kompatibel ist. Unser Vorteil liegt in der Integration – Mechanik, Hydraulik, Elektronik und Software, gemeinsam in der Schweiz konzipiert – sowie in unserer Reaktionsfähigkeit beim Kundendienst.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Palette der behandelten Unkräuter erweitern, die Serienproduktion starten und die Vermarktung strukturieren.

Wie zeigt sich Ihre Verankerung im Kanton Freiburg?

Entwicklung, Herstellung, Validierung und Verkauf werden vollständig im Kanton durchgeführt, in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Zbinden Posieux SA. Die für die Entwicklung dieses Projekts erforderliche Struktur ermöglicht die Schaffung von Arbeitsplätzen in beiden Unternehmen. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR) und dem Lehrbetrieb Grangeneuve. Das Projekt wurde von Anfang an durch den Innovationsscheck des Vereins Fribourg Agri & Food unterstützt, der beim Cluster Food & Nutrition angesiedelt ist – dank Jerry Krattiger, Direktor der Wirtschaftsförderung des Kantons, der uns an diese Einrichtung verwiesen hat. Fri Up ergänzt das Dispositiv durch strategische Einschätzung, Expertennetzwerk und unternehmerische Strukturierung. Für ein Agrotech-Start-up an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Industrie 4.0 ermöglicht es die kantonale Unterstützung, eine technische Idee in ein wirtschaftlich tragfähiges Projekt umzusetzen, das im lokalen Gefüge verankert und für den europäischen Markt offen ist.