Überall im Kanton bestimmen Baukräne das Landschaftsbild. Von grossen Industrieprojekten über energetische Sanierungen bis hin zu Wohnraum und öffentlichen Infrastrukturbauten – das Bauwesen ist nach wie vor ein Motor der Freiburger Wirtschaft. Hinter diesen Baustellen stehen fast fünfzig verschiedene Berufe und eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren, die gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen haben. Genau hier setzt bauenfreiburg an. Als kantonale Besonderheit vereint die Organisation nicht nur die Verbände des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes sowie die Planungs- und Projektverantwortlichen, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der Kies- und Immobilienbranche, der Banken wie auch verschiedener Wirtschaftsorganisationen des Kantons. «Das ist eine Chance und eine Stärke», fasst die neue Präsidentin Isabelle Baiutti zusammen. «Wir haben einen Gesamtüberblick über die Baubranche und können die Interessen unserer Mitglieder besser vertreten.» Isabelle Baiutti, Mitinhaberin eines Freiburger Architekturbüros, übernahm an der Generalversammlung im vergangenen April das Präsidium.
Als erste Frau in dieser Funktion tritt sie die Nachfolge von Olivier Gapany an und möchte die Verbindungen zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren der Branche weiter stärken. «Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zusammenzubringen, ist eine Herausforderung, die mich motiviert. Ich liebe es, Menschen für ein gemeinsames Projekt zu begeistern.» Dieses Bestreben stützt sich auf die in den letzten Jahren geschaffenen Grundlagen. Unter dem Vorsitz von Olivier Gapany wurden neue Kommissionen in den Bereichen Ausbildung und Image der Bauberufe ins Leben gerufen, zusätzlich zu den bereits bestehenden Kommissionen für Baubewilligungen und Umweltkontrollen. Die geplante Zusammenführung der Bauberufe unter einem gemeinsamen Dach auf der Berufsmesse START! ist ein konkretes Beispiel dafür. Isabelle Baiutti will diesen Weg fortsetzen. Der kürzlich verkleinerte Vorstand soll dazu beitragen, bestimmte Projekte rascher voranzubringen und die Zusammenarbeit innerhalb der Branche zu fördern.


Ein Wachstum, das auch Fragen aufwirft
Auch wenn es der Branche insgesamt gut geht, mangelt es nicht an Herausforderungen. Der Zuzug von rossunternehmen und die zahlreichen laufenden Projekte bieten erfreuliche Perspektiven für die kommenden Jahre. Für David Valterio verdeutlicht der künftige Standort von Rolex in Bulle diese Dynamik exemplarisch. «Das ist aktuell DIE Baustelle des Landes», betont der Sekretär von bauenfreiburg. Doch dieses Wachstum wirft auch Fragen auf, welche die Mobilität, die Materialversorgung, den Fachkräftemangel sowie die sich wandelnden Erwartungen der Gesellschaft betreffen. Der Nachwuchs bleibt eines der wichtigsten Anliegen. Bauenfreiburg setzt die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen fort, um das Image der Bauberufe bei jungen Menschen zu verbessern. Eine Aufgabe, bei der auch die Eltern eine wichtige Rolle spielen.
«Wie Christophe Nydegger, Vorsteher des Amts für Berufsbildung, betont, sind oft gerade sie die ersten Meinungsbildner», bemerkt Isabelle Baiutti. «Viele wissen gar nicht, wie sehr sich unsere Berufe weiterentwickelt haben und welche Karrieremöglichkeiten sie heute bieten.» Die Baubranche wird teilweise noch immer mit körperlich anstrengenden oder wenig attraktiven Berufen assoziiert. Eine Wahrnehmung, die die Präsidentin ändern möchte. «Auch wenn es manchmal etwas rauer zugeht, ist das keineswegs eine Welt von Grobianen! In einigen Bereichen gibt es zwar noch Fortschritte zu machen, aber die Denkweisen ändern sich. Ich möchte noch mehr Menschlichkeit, Respekt und Wertschätzung für die geleistete Arbeit fördern.» Der Anstieg der Zahl der Frauen in verschiedenen Berufen verdeutlicht diese Entwicklung. «Bei bestimmten Berufswettbewerben, insbesondere im Malerhandwerk, erzielen Frauen oft die besten Ergebnisse», stellt David Valterio fest.
Den Berufen Sinn verleihen
Über die Personalgewinnung hinaus muss sich die Branche auch an die Erwartungen einer neuen Generation anpassen, die mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie auf Umweltfragen legt. Die Wiederverwendung von Materialien, die Sanierung bestehender Gebäude oder die Vermeidung von Abfällen gewinnen zunehmend an Bedeutung. bauenfreiburg engagiert sich insbesondere bei Fri-Source, einer Plattform für die Wiederverwendung von Baumaterialien, und möchte verschiedene Überlegungen weiterverfolgen, die im Rahmen des Rates für Bauwesen und nachhaltige Entwicklung angestossen wurden. «Junge Menschen wollen, dass ihr Beruf Sinn macht», betont Isabelle Baiutti. «Es liegt an uns aufzuzeigen, dass das Bauwesen Teil der Lösung ist.» Auch die Innovation verändert die Branche.
Künstliche Intelligenz, digitale Modellierung, 3D-Druck und die Digitalisierung von Prozessen verändern die Arbeitsweisen zunehmend. Für Isabelle Baiutti besteht die Herausforderung darin, diese Entwicklungen zu integrieren und gleichzeitig das Fachwissen zu bewahren, das den Reichtum der Bauberufe ausmacht. Angesichts der Verknappung von Bauland, der zunehmenden Komplexität der Normen und der neuen Erwartungen der Gesellschaft plädiert die Präsidentin für mehr Kohärenz und Vereinfachung. «Natürlich braucht es Regeln, aber wir müssen vermeiden, die Verfahren unnötig zu verkomplizieren. Effizienz und gesunder Menschenverstand müssen im Mittelpunkt stehen.» Eine Überzeugung leitet zudem ihr Handeln: Die Zukunft der Branche wird gemeinsam gestaltet. «Wir stehen alle vor denselben Herausforderungen. Je mehr wir zusammenarbeiten, desto stärker werden wir sein, um sie zu bewältigen.»
Kennzahlen
1989
(Conférence Cantonale de la Construction CCC)