Berufsbildung: Die Grundkompetenzen nehmen ab


Die Qualität der Berufsbildung hängt weitgehend von den Grundkompetenzen der Schülerinnen und Schüler ab, die die obligatorische Schule verlassen. Heute stehen diese Kompetenzen zunehmend unter Druck. Laut einer von economiesuisse, dem Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) durchgeführten Umfrage stellen die Unternehmen Defizite bei den Grundkompetenzen fest, insbesondere in Mathematik und Lesen. Diese Defizite wirken sich auf die duale Berufsbildung und auf die Wirtschaft insgesamt aus. 

Direkte Auswirkungen auf die Lehre

Die bei 2900 Lehrbetriebendurchgeführte Studie zeigt, dasssich die Kompetenzenseit 5 bis 10 Jahren kontinuierlichverschlechtern. DiesesDefizitbeeinflusst den Lehrstellenmarktdirekt: Es wirdschwieriger, geeigneteLernendezurekrutieren, der notwendigeBetreuungsaufwandfür die Begleitung der Lernendennimmtzuund die Kosten fürunterstützendeMassnahmensindbeträchtlich. 

Eine Belastung für die Lehrbetriebe

Letztlich wirken sich diese zusätzlichen notwendigen Investitionen auf die Bereitschaft der Unternehmen aus, Lernende auszubilden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass jedes fünfte Unternehmen angab, aus diesen Gründen künftig weniger Lernende rekrutieren zu wollen. Diese Situation ist insbesondere für KMU besorgniserregend, da diese zusätzlichen Massnahmen eine besonders grosse Belastung darstellen. 

Der Rückgang der Kompetenzen geht auch mit einer geringeren Selbstständigkeit, einer Zunahme von Fehlern im Arbeitsalltag und weiteren Lücken einher, die geschlossen werden müssen. Die befragten Unternehmen geben an, zwischen 1 und 3 Stunden zusätzliche Betreuung für Lernende mit Defiziten aufzuwenden. Diese Stunden kommen zu den durchschnittlich 5,2 Stunden hinzu, die pro Lernendem für die Betreuung aufgewendet werden. (Quelle : EHB, Ausbildung von Lernenden: Welches Interesse haben Unternehmen?, 2019.) Eine Belastung, die Unternehmen künftig davon abhalten könnte, Lernende auszubilden. 

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung solider Grund- und überfachlicher Kompetenzen für einen erfolgreichen Übergang in die duale Berufsbildung und in die Arbeitswelt sowie für die Motivation der Unternehmen, auch weiterhin Lernende auszubilden. 

Eine besorgniserregende Entwicklung

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 zeigen, dass die Schweiz zwar über dem OECD-Durchschnitt liegt, die Durchschnittswerte in Mathematik und Lesen in den letzten zehn Jahren jedoch deutlich gesunken sind (um 22,7 bzw. 25,1 Punkte). Fast jede fünfte Schülerin bzw. jeder fünfte Schüler erreicht in Mathematik nicht das erforderliche Mindestniveau; beim Lesen ist es sogar jede vierte Schülerin bzw. jeder vierte Schüler. 

Auch wenn es Unterschiede je nach Sprachregion, sozialer Herkunft, Erstsprache und Migrationshintergrund gibt, sind die Ursachen für diesen Rückgang weitgehend unbekannt. Es gibt kein einheitliches Monitoring der Grundkompetenzen, das einen langfristigen Vergleich dieser Kompetenzen in der Schweiz ermöglicht. 

Eine Gefahr für die Schweizer Wirtschaft

Laut den Schweizer Dachverbänden der Wirtschaft ist der Rückgang der Grundkompetenzen mehr als nur eine Herausforderung für die Bildungspolitik: Er stellt eine zunehmende Herausforderung für die duale Berufsbildung, die Sicherung von Fachkräften und ganz allgemein für den Wirtschaftsstandort Schweiz dar. 

Die Wirtschaftsverbände sind sich einig: Bei den Grundkompetenzen darf es keine Kompromisse geben. Es ist notwendig, die Grundkompetenzen zu stärken. Sie fordern, die Ursachen dieser Entwicklung eingehend zu analysieren und ein Bildungsmonitoring einzuführen, das Transparenz über diese Entwicklungen schafft und gezielte Verbesserungen ermöglicht. 

Engagement des Freiburger Arbeitgeberverbandes

Um diesen Ergebnissen entgegenzuwirken, investiert der Freiburger Arbeitgeberverband seit Jahren in die Stärkung und Aufwertung der Berufsbildung. 

In diesem Jahr bringt der Freiburger Arbeitgeberverband Berufsbildner zu aktuellen Themen zusammen. Das neu gegründete Netzwerk Berufsbildner Freiburg stärkt den Erfahrungsaustausch und fördert die Motivation der Unternehmen, Lernende auszubilden. 

Um die Unternehmen bei ihren Abläufen zu unterstützen und die Berufe sowie die organisierten Veranstaltungen sichtbar zu machen, vermittelt die Homepage Berufsbildung Freiburg die notwendigen Informationen klar und einfach. 

FriStages, eine gemeinsam mit dem Kanton betriebene Plattform, ermöglicht Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben eine einfache Organisation von Schnupperlehren, ohne unnötige Administration. 

Der Freiburger Arbeitgeberveband hat auf Basis dieser Entwicklungen vor einem Jahr eine Zusammenarbeit mit der kantonalen Erziehungsdirektion (BKAD) initiiert mit dem Ziel, die Berufsbildung und die obligatorische Schule mit konkreten Projekten einander näher zu bringen und die gegenseitige Sensibilisierung und den Austausch insbesondere für Berufsbildungsthemen zu fördern.