Im Kanton Freiburg bilden mehr als 2300 Unternehmen Lernende aus. Unterstützt werden sie dabei von Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern in den Lehrbetrieben, deren Aufgaben sich laufend weiterentwickeln. Nach der 40-stündigen Grundausbildung, die für den Erwerb des entsprechenden Zertifikats erforderlich ist, gibt es jedoch nur wenige Möglichkeiten, die eigene Ausbildungspraxis weiterzuentwickeln und sich mit Berufskolleginnen und Berufskollegen auszutauschen. Um diesem Bedarf nachzukommen, hat der Freiburger Arbeitgeberverband (FAV) im Februar 2026 das Projekt «Berufsbildner Freiburg» ins Leben gerufen.
«Berufsbildnerinnen und Berufsbildner spielen eine wesentliche Rolle für eine erfolgreiche Berufsausbildung. Dennoch gibt es für sie nach wie vor kaum Möglichkeiten, ihre Erfahrungen auszutauschen und konkrete Antworten auf die Herausforderungen zu finden, denen sie im Alltag begegnen. Genau diese Lücke will ‹Berufsbildner Freiburg› schliessen», erklärt Aude Favre, Koordinatorin für Berufsbildung beim FAV. «Berufsbildner Freiburg» umfasst eine Reihe partizipativer Workshops, in denen Erfahrungen ausgetauscht, Vorgehensweisen verglichen und direkt anwendbare Instrumente kennengelernt werden können. In diesem Sinne hat der FAV das Programm 2026 an den Bedürfnissen ausgerichtet, die an der Auftakttagung von den mehr als 120 Teilnehmenden vorgebracht wurden.
Die ausgewählten Themen – Kommunikation mit den jungen Generationen, pädagogische Methoden, Motivation der Lernenden sowie die Vereinbarkeit von Produktivität und Ausbildung – greifen damit unmittelbar Anliegen aus der Praxis auf. Die Veranstaltungen können im Rahmen eines Jahresabonnements oder einzeln besucht werden. Ziel ist es, die Teilnehmenden langfristig für das Angebot zu gewinnen und eine dauerhafte Dynamik zu schaffen.
Ein Netzwerk nimmt Gestalt an
«Unser Ziel ist es nicht nur, Workshops zu organisieren, sondern ein echtes Netzwerk von Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern zu schaffen, die sich gerne treffen, voneinander lernen und gemeinsam die Berufsausbildung voranbringen», erklärt Daniel Bürdel, stellvertretender Direktor des FAV. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend: Die ersten beiden Workshops waren ausgebucht, ein deutliches Zeichen für das Interesse der Unternehmen an diesem neuen Angebot. Ein weiterer Mehrwert liegt darin, dass die Treffen Berufsleute aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammenbringen. Denn über die Besonderheiten der einzelnen Berufe hinaus ähneln sich die Herausforderungen bei der Betreuung von Lernenden oftmals. Diese branchenübergreifende Ausrichtung ist eine der grossen Stärken des Netzwerks.
«Berufsbildner Freiburg» entspricht einem konkreten Bedürfnis der Ausbildungsbetriebe. Das Projekt ist Teil eines umfassenderen Ansatzes, der von der Plattform «Berufsbildung Freiburg» getragen wird, die vom FAV im Juni 2025 lanciert wurde. Als zentrale Anlaufstelle für die Berufsbildung richtet sie sich mit jeweils auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Angeboten an Jugendliche, Eltern, Lehrpersonen und Unternehmen. In etwas mehr als einem Jahr hat die Plattform mit über 18 000 Besuchern und fast 14 Millionen Aufrufen in den sozialen Netzwerken bereits ein breites Publikum erreicht.
Ein Projekt in stetiger Weiterentwicklung
Über diese Zahlen hinaus hat sich die Plattform «Berufsbildung Freiburg» zum zentralen Bestandteil eines ganzen Systems von Projekten entwickelt, das der FAV rund um die duale Berufsbildung lanciert hat. «Berufsbildner Freiburg» ist eines der jüngsten Beispiele dafür.
Gleichzeitig wird das Portal kontinuierlich um neue Inhalte, Erfahrungsberichte und Informationen für unterschiedliche Zielgruppen erweitert. Dazu gehören insbesondere Informationen zur Anerkennung erworbener Kompetenzen sowie Inhalte für Personen mit Migrationshintergrund, die dazu beitragen sollen, das Schweizer Berufsbildungssystem besser bekannt zu machen.
Die Plattform «Berufsbildung Freiburg» setzt zudem auf eine Kommunikation, die sich an den Nutzungsgewohnheiten junger Menschen orientiert. Auf TikTok beispielsweise wird ein Grossteil der Inhalte von den Lernenden des FAV selbst erstellt, begleitet vom Kommunikationsteam. «Die Botschaft kommt einfach besser an, wenn junge Menschen zu jungen Menschen sprechen», betont Aude Favre. Eine Art, die Berufslehre mit den Ausdrucksformen jener zu fördern, die sie tagtäglich erleben.
Ob es darum geht, junge Menschen zu begleiten, Ausbildungsbetriebe zu unterstützen oder neue Instrumente zu entwickeln – der FAV verfolgt stets dasselbe Ziel: die duale Berufsausbildung im Kanton zu stärken. Für Daniel Bürdel bringt dieses Engagement den Auftrag der Organisation auf den Punkt: «Als Dachverband der Freiburger Berufsverbände ist es unsere Aufgabe, die duale Berufsausbildung generell zu fördern. Eine der wichtigsten Massnahmen hierzu ist die Unterstützung und Förderung unserer Berufsbildnerinnen und Berufsbildner.»
Konkretes für die Praxis mitnehmen
Für Caroline Chomton, Stellvertreterin des Leiters Buchhaltung bei Digi Sens, Natacha Morand, Assistentin der Geschäftsleitung bei Stephan SA, und Florian Chappuis, Ausbildner bei Sottas, bietet die Teilnahme an den Workshops von «Berufsbildner Freiburg» die Gelegenheit, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln und sich über ihre gemeinsame Rolle auszutauschen.
«Die Ausbildung von Lernenden ist in erster Linie eine Frage zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Erwartungen der Jugendlichen ändern sich, und wir brauchen Instrumente, um uns darauf einzustellen», fasst Natacha Morand zusammen. Besonders geschätzt hat sie die Ausführungen zu den Unterschieden zwischen den Generationen sowie die konkreten Anregungen dazu, wie sich den Lernenden der Sinn der ihnen anvertrauten Aufgaben besser vermitteln und ihre Motivation fördern lässt.
Auch Caroline Chomton hat in den Workshops unmittelbar umsetzbare Ansätze gefunden. Einer davon besteht darin, bei den Lernenden regelmässig eine Rückmeldung zur eigenen Betreuung einzuholen: Was wurde geschätzt, was könnte verbessert werden und was möchte die auszubildende Person noch lernen? Ein Ansatz, von dem beide Seiten profitieren.
Florian Chappuis ist hauptberuflicher Berufsbildner bei Sottas und betreut insbesondere angehende Metallbaukonstrukteurinnen und Metallbaukonstrukteure EFZ. In einem Unternehmen mit 50 bis 60 Lernenden in verschiedenen Berufen nimmt die Ausbildung einen entsprechend wichtigen Platz ein. An Berufsbildner Freiburg schätzt er vor allem den Austausch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus und die Einblicke in unterschiedliche Vorgehensweisen. «Der Austausch ist von entscheidender Bedeutung. Mit der heutigen eneration stehen wir oft vor denselben Herausforderungen, und es ist sehr hilfreich, die von anderen eingesetzten Instrumenten kennenzulernen.»
Eine Einschätzung, die von Natacha Morand geteilt wird: «Unabhängig vom Beruf sind die Anliegen oft dieselben.» Caroline Chomton hebt zudem die offene und wertschätzende Atmosphäre in den Workshops hervor, in denen alle ihre Erfahrungen austauschen können – sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch –, ohne sich bewertet zu fühlen.
Für Florian Chappuis ist diese menschliche Dimension gerade im Bausektor mit seinen grossen Belastungen umso wertvoller. Je nach Thema kann er seine eigenen Erfahrungen einbringen oder von anderen lernen. Gerade dieses gegenseitige Geben und Nehmen bringt den Nutzen dieser Treffen auf den Punkt.


