Slow Productivity: Entschleunigen, um besser voranzukommen


Was, wenn nicht der Zeitmangel das Problem ist, sondern unsere Arbeitsweise?

Endlose Besprechungen, unaufhörlich eintreffende E-Mails, ständige Benachrichtigungen: Trotz einer stetig wachsenden Zahl von Hilfsmitteln haben viele Berufstätige das Gefühl, ständig der Zeit hinterherzulaufen. In Slow Productivity lädt Cal Newport dazu ein, unsere Definition von Produktivität zu überdenken.otre définition de la productivité.

Frank-Olivier Baechler

Noch nie standen uns so viele Hilfsmittel zur Verfügung, um Zeit zu sparen. Dennoch haben viele Berufstätige das gegenteilige Gefühl: fragmentierte Arbeitstage, ständige Anfragen und Schwierigkeiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In Slow Productivity vertritt der amerikanische Autor Cal Newport eine provokante These: Das Problem liegt vielleicht nicht in mangelnder Produktivität, sondern in unserer Definition von Produktivität.

Die Falle der Pseudoproduktivität

Laut Newport hat sich in den Wissensberufen nach und nach eine Form der «Pseudoproduktivität» etabliert. Produktivität wird heute oft damit gleichgesetzt, ständig beschäftigt zu sein: schnell auf Mitteilungen zu antworten, an zahlreichen Besprechungen teilzunehmen, mehrere Projekte gleichzeitig zu betreuen und jederzeit erreichbar zu sein. Doch Überaktivität ist nicht gleichbedeutend mit Wertschöpfung. Im Gegenteil. Diese permanente Zerrsplitterung der Aufmerksamkeit führt oft dazu, dass die Arbeitsqualität sinkt und die geistige Erschöpfung zunimmt.

Erster Grundsatz: Weniger tun, um es besser zu machen

Sein erster Ratschlag läuft vielen heutigen Reflexen zuwider: die Zahl paralleler Projekte bewusst zu begrenzen. Jedes neue Projekt beansprucht einen Teil unserer Aufmerksamkeit, selbst wenn wir nicht direkt daran arbeiten. Der Autor vergleicht diese Situation mit einem Computer, auf dem zu viele Programme im Hintergrund laufen. In vielen Unternehmen gilt die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, als Stärke. Newport vertritt die gegenteilige Ansicht. Eine bewusst reduzierte Anzahl gleichzeitiger Projekte verbessert oft die Konzentration, die Qualität und letztlich auch das Ergebnis.

Zweiter Grundsatz: Dem eigenen Rhythmus folgen

In den meisten Organisationen wird Leistung nach wie vor mit ständigem Einsatz gleichgesetzt. Intellektuelle Tätigkeiten verlaufen jedoch selten linear. Phasen hoher Produktivität wechseln sich ganz natürlich mit Phasen der Reflexion oder Erholung ab. Der Versuch, ständig auf Hochtouren zu arbeiten, führt oft eher zu Erschöpfung als zu Effizienz. Für Newport beruht nachhaltige Leistung auf einem intelligenten Umgang mit der eigenen Energie und Aufmerksamkeit.

Dritter Grundsatz: Qualität vor Quantität

Der dritte Grundsatz bildet den Rahmen für die beiden vorhergehenden. Wer bereit ist, weniger zu tun und das Tempo zu drosseln, tut dies nicht, um weniger zu leisten, sondern um besser zu arbeiten. Nachhaltiger Erfolg entsteht selten durch ein hohes Tätigkeitsvolumen, sondern vielmehr durch anerkannte Fachkompetenz oder eine besondere Arbeitsweise. Es ist daher sinnvoller, mehr Zeit in einige wenige wichtige Projekte zu investieren als in eine Vielzahl von Aufgaben mit geringer Wirkung.

Ein nützlicher Denkansatz für Unternehmen

Slow Productivity ist kein Plädoyer für Faulheit. Cal Newport vertritt im Gegenteil hohe Ambitionen, die auf Konzentration und Qualität beruhen und nicht auf ständiger Hektik. In einer Zeit, in der sich Unternehmen mit Informationsüberflutung und Burnout-Prävention auseinandersetzen, ist seine Botschaft einfach: Weniger zu tun, sich Zeit zu nehmen und auf Qualität zu setzen, muss kein Widerspruch zu hoher Leistung sein. Möglicherweise ist dies sogar die Grundlage nachhaltiger Leistungsfähigkeit.