Ausbildungsbetriebe: Eine Rolle, die weit über die Berufsbildung hinausgeht
Mehr als 400 Personen versammelten sich heute im Forum Freiburg anlässlich der 9. Ausgabe des Herbstauftakts der Unternehmen (HdU). Die vom Freiburger Arbeitgeberverband (FAV) organisierte Veranstaltung fand erstmals in einem neuen Format statt, das mehr Raum für Austausch und Reflexion bot. Im Mittelpunkt des Abends stand die Rolle der Ausbildungsbetriebe in der heutigen Gesellschaft. Anschliessend berichtete Ehrengast Julien Sprunger, langjähriger Kapitän und Symbolfigur des HC Fribourg-Gottéron, von seinen Erfahrungen.
Seit seinen Anfängen verfolgt der Herbstauftakt der Unternehmen ein und dasselbe Ziel: diejenigen ins Rampenlicht zu rücken, die sich für den beruflichen Nachwuchs engagieren. Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Lernende sowie Ausbildnerinnen und Ausbildner nahmen an der 9. Ausgabe teil, die sich insbesondere mit der Rolle der Ausbildungsbetriebe befasste – einer Rolle, die weit über die reine Vermittlung eines Berufs hinausgeht.
Ein neu konzipierter Herbstauftakt der Unternehmen
Um dem Austausch mehr Raum zu bieten, hat der FAV das Veranstaltungsformat weiterentwickelt. Zum ersten Mal fand die Preisverleihung vor der offiziellen Eröffnung in einem besonderen Rahmen statt, der Begegnungen mit den preisgekrönten Unternehmen und den Lernenden förderte.
Patrick Gendre, Präsident des Verwaltungsrats des FAV, würdigte die Ausbildungsbetriebe und zog dabei eine Parallele zum Sport. Dabei hob er drei Werte hervor: Loyalität, Belastbarkeit und Demut in der Führung. Sie prägen seiner Ansicht nach sowohl den Werdegang von Julien Sprunger als auch die Aufgabe von Führungskräften und von Berufsbildnerinnen und Berufsbildner in den Lehrbetrieben. Einen jungen Menschen auszubilden, bedeute, langfristig zu investieren, ihn in schwierigen Zeiten zu begleiten und ihm die Mittel zur Weiterentwicklung zur Verfügung zu stellen. Dieses Engagement mache die Berufsausbildung zur «schönsten Investition» der Unternehmen in die Zukunft der Gesellschaft und der Region.
Staatsrat Olivier Curty, Vorsteher der Volkswirtschafts- und Bildungsdirektion, würdigte das Engagement der rund 2’500 Ausbildungsbetriebe des Kantons, die fast 9’500 Personen ausbilden. Zwar sei das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiterhin zufriedenstellend, doch wies er auf den Bedarf an zusätzlichen Ausbildungsbetrieben in bestimmten technischen Berufen sowie auf die Herausforderung hin, deren Attraktivität zu steigern. Er forderte zudem eine Stärkung der Partnerschaft zwischen Staat und Unternehmen, insbesondere durch die neuen Instrumente, die in zwei kantonalen Gesetzen –jenem über die Berufsbildung und jenem über die wirtschaftliche Entwicklung und Innovation – vorgesehen sind.
Ausbildungsbetriebe im Zentrum des Austauschs
Im offiziellen Teil folgte eine neu konzipierte Podiumsdiskussion zur Frage «Ausbildungsbetriebe: Welche Rolle spielen sie heute in der Gesellschaft?». Neben Nicole Meier, Ressortleiterin Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, brachten Sabine Krummen von der Krummen Kerzers AG, Georges Bovet von der Garage Georges Bovet SA und Mathias Meyer von der Carrosserie Claude Schindler SA ihre Erfahrungen aus der Praxis ein. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die weit über die Vermittlung fachlicher Kompetenzen hinausgehende Rolle der Unternehmen im Werdegang der Lernenden sowie ihre Verantwortung gegenüber den jungen Menschen, der Wirtschaft und der Gesellschaft. Zur Sprache kamen die Schwierigkeiten, mit denen Ausbildungsbetriebe konfrontiert sein können, sowie die Herausforderungen, die in den kommenden Jahren auf die duale Berufsbildung zukommen.
Zuvor wurden neun Unternehmen in den Kategorien «Bautechnik», «Technik und Mechanik» sowie «Dienstleistungen, Handel und Gesundheit» mit dem Preis «Bester Ausbildungsbetrieb 2026» für ihr Engagement zugunsten der Berufsausbildung ausgezeichnet (vollständige Liste siehe unten).
Der Sonderpreis «Coup de Cœur 2026» wurde an die Groupe E Connect S.A. in Romont für ihr Engagement bei der Begleitung von Mohammad Mirzayi, Elektroinstallateur EFZ, verliehen. Mit 13 Jahren verliess er Afghanistan allein, ohne jemals eine Schule besucht zu haben. 2020 kam er in die Schweiz und musste Französisch, Mathematik und die Regeln der Arbeitswelt lernen. Das Unternehmen hat ihn bereits im Rahmen eines Praktikums und einer Vorlehre begleitet und unterstützt und stand ihm auch während seiner gesamten Ausbildung zur Seite, unter anderem mit Stützkursen in Mathematik und Elektrotechnik. Mohammad Mirzayi hat seine Ausbildung inzwischen erfolgreich abgeschlossen und das EFZ erworben. Sein bemerkenswerter Werdegang zeugt von Beharrlichkeit und einer erfolgreichen Begleitung durch seinen Ausbildungsbetrieb.
Julien Sprunger: Zwischen Ausbildung und Weitergabe
Als Ehrengast berichtete Julien Sprunger von seinen Erfahrungen aus 24 Jahren als Profi-Eishockeyspieler, insbesondere in Bezug auf Führungskompetenz und den Umgang mit Druck und Emotionen. Der legendäre Kapitän des HC Fribourg-Gottéron erinnerte zudem an die Bedeutung der Ausbildung für seinen Werdegang: Nach einer Lehre beim Club erwarb er die Berufsmaturität und anschliessend den eidgenössischen Fachausweis in Unternehmensführung. Damit erweiterte er sein Rüstzeug für die Zeit nach dem Eishockey. Heute möchte er seinerseits die Erfahrungen weitergeben, die er im Laufe seiner Karriere gesammelt hat.
Der Abend klang mit einem Stehlunch aus, bei dem die Teilnehmenden den Austausch in geselliger Runde fortsetzen konnten.
Liste der preisgekrönten Unternehmen und Lernenden nach Kategorie
Bautechnik
- MICHEL MOOSER S.A., CHARMEY avec Jules Gérard Honoré, Charpentier CFC
- PILLER & KRATTER S.A., RIAZ avec Maxime Gapany, Ferblantier CFC
- ENERGIL SÀRL, MARLY avec Ilyès Kthiri, Projeteur en technique du bâtiment chauffage CFC
Technik und Mechanik
- KRUMMEN KERZERS AG, KERZERS mit Sabrina Barbara Stoll
- GARAGE-CARROSSERIE GEORGES BOVET SA, GROLLEY avec Yannis Schöni, Mécanicien en maintenance d’automobiles véhicules légers CFC
- CARROSSERIE CLAUDE SCHINDLER S.A., BULLE avec Marie-Rose Marano, Carrossière-peintre CFC
Dienstleistungen, Handel und Gesundheit
- APOTHEKE SCHMITTEN SA, SCHMITTEN mit Laura Fasel, Fachfrau Apotheke EFZ
- ARZTPRAXIS AM BAGER, SCHMITTEN mit Noemi Zurkinden, Medizinische Praxisassistentin EFZ
- OPTIC 2000 MURTEN AG, MURTEN mit Lavinia Graf, Augenoptikerin EFZ
Preis « Coup de Cœur »
GROUPE E CONNECT S.A., ROMONT avec Mohammad Mirzayi, Électricien de montage CFC