Anders ausbilden, um nachhaltig zu integrieren


Rafisa Informatique Sàrl bildet neurodiverse Menschen aus. Die Freiburger Niederlassung in Givisiez wurde beim letzten Herbstauftakt der Unternehmen vom FAV ausgezeichnet.

Die Freiburger Niederlassung von Rafisa Informatique Sàrl wurde anlässlich des Herbstauftakts der Unternehmen 2025 in der Kategorie Dienstleistung, Handel und Gesundheit als bester Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Das Unternehmen beeindruckt durch sein aussergewöhnliches Ausbildungsmodell: Es nimmt Jugendliche mit Störungen aus dem Autismus-Spektrum auf, bildet sie aus und eröffnet ihnen damit einen echten Weg zum EFZ. Ein menschliches und wirt schaftliches Engagement, zu dem sich das Unternehmen klar bekennt.

In den Räumlichkeiten von Rafisa Informatique Sàrl in Givisiez sieht der Alltag auf den ersten Blick aus wie in jeder an deren Ausbildungseinrichtung im IT-Bereich. Die Lernenden arbeiten, machen Fortschritte und erwerben Kompetenzen. Hinter dieser scheinbaren Normalität verbirgt sich jedoch ein einzigartiger Ansatz: Die meisten der hier betreuten Jugendlichen weisen Störungen aus dem Autismus Spektrum (ASS) auf. Diese Entscheidung ist eine Überzeugung, die von der gesamten Rafisa-Informatique-Gruppe, gegründet 2009 in Zürich, geteilt wird. Im Kanton Freiburg beschäftigt das Unternehmen sieben Mitarbeitende und bietet 22 Ausbildungsplätze für junge Menschen. Derzeit werden dort zwölf Lernende ausgebildet.

Massgeschneiderte Begleitung

Der Schlüssel zum Erfolg des Rafisa-Modells liegt in einer bis ins Detail durch dachten Organisation. Unter der Leitung von Pierre-André Rouiller begleiten Informatik-Berufsbildnerinnen und -Berufsbildner, die sich spezifische Kenntnisse in der Begleitung neuroatypischer Jugendlicher angeeignet haben, die Lernenden im Alltag. Sie arbeiten eng mit zwei Sozialpädagoginnen sowie mit den kantonalen Behörden, insbesondere dem Amt für Berufsbildung, zusammen. Diese Kombination aus Fachkompetenz und persönlicher Begleitung ermöglicht es Rafisa Informatique Sàrl, Wege zu beschreiten, die andere Einrichtungen kaum kennen. Der grösste Unterschied zu einem her kömmlichen Ausbildungsbetrieb liegt nämlich nicht nur in der Technik. Er zeigt sich vor allem in der im Hintergrund geleisteten täglichen Arbeit sowie im Training der sozialen und persönlichen Kompetenzen der Jugendlichen. «Wir bringen ihnen bei, wie sie mit anderen Mitarbeitenden umgehen können, begleiten sie in Einzelcoachings, nehmen Anpassungen in den Büros vor und vermitteln bei Bedarf», erklärt Sozial pädagogin Camille Repond. Sie fügt hinzu: «Unsere Aufgabe ist es, die Jugendlichen auszubilden und ihnen später den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, was nicht immer einfach ist. Deshalb begleiten wir sowohl die Jugendlichen als auch die Unternehmen bei der beruflichen Integration.» Diese Aufgabe endet nicht mit der Aushändigung des Diploms, sondern geht weit darüber hinaus. Das Unternehmen sensibilisiert auch jene Teams, welche die Jugendlichen später aufnehmen werden.

Gemeinsamer Stolz, Inspiration für andere

Ein junger Preisträger vom Herbstauftakt der Unternehmen 2025 verkörpert diesen Werdegang. Während seiner Ausbildung wurde er von der Sozialpädagogin Camille Repond sowie von Fabrice Rheiner, IT Ausbildner, begleitet. Nach Abschluss seiner Ausbildung erhielt er einen unbefristeten Vertrag in einem Unternehmen in Freiburg. «Dieser Erfolg inspiriert andere und zeigt ihnen, dass sie sie selbst sein dürfen und ihren Platz im Arbeitsmarktfinden können», freut sich die Sozialpädagogin. Darüber hinaus stellt dieser Preis eine echte Anerkennung für die Arbeit des gesamten Teams dar. Das Modell von Rafisa Informatique Sàrl ist inspirierend. Pierre-André Rouiller wünscht sich jedoch, dass Inklusion in Freiburger Unternehmen zur gelebten Selbstverständlichkeit wird. Für ihn entsteht Inklusion in den Denkweisen, in der Unternehmenskultur und in der bewussten Entscheidung, Menschen mit unterschiedlichen Profilen eine Chance zu geben. «Ich glaube, dass diese jungen Menschen diese Philosophie der Inklusion verkörpern können. Autismus ist ein sehr breites Spektrum, und all diese jungen Menschen können den Unternehmen, die ihnen eine Chance geben, einen echten Mehrwert bringen.

  • Gründungsjahr der Niederlassung Givisiez: 2019
  • Anzahl Beschäftigte: 7 (5 Ausbildnerinnen und Ausbildner, 2 Sozialpädagoginnen)
  • Anzahl Lernende: derzeit 12 in Ausbildung (bei 22 verfügbaren Ausbildungsplätzen)
  • Tätigkeitsbereich: Ausbildung im Bereich Informatik
  • Verantwortlich für die Berufsausbildung: Pierre-André Rouiller