Markante kantonale Unterschiede
Die kürzlich von Avenir Suisse veröffentlichte Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Kantonen. Einige erreichen bereits das nationale Ziel, wie Obwalden und Nidwalden. Andere kommen diesem Ziel sehr nahe, etwa Graubünden oder Uri, mit rund 94 % Zertifizierungsquote.
Im Gegensatz dazu liegen mehrere städtische Westschweizer Kantone am Ende der Rangliste: Genf (84,7 %), Waadt (86,5 %) und Basel-Stadt (87,5 %). Freiburg liegt bei 88,4 %, also auf dem viertniedrigsten Platz des Landes. Konkret bedeutet dies, dass fast jeder achte junge Erwachsene nach der obligatorischen Schule keine zertifizierte Ausbildung abschliesst.
Klare Korrelation: Mehr Berufsbildung = höhere Zertifizierung
Der zentrale Befund der Studie ist besonders aufschlussreich: In den Kantonen, in denen ein grösserer Anteil der Jugendlichen den Weg der Berufsbildung wählt, sind die Zertifizierungsquoten im Durchschnitt höher.
Umgekehrt tendiert die Gesamtquote bei einem stark steigenden Anteil der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten dazu, zu sinken. Diese Korrelation gilt unabhängig davon, ob der Kanton städtisch oder ländlich ist, sowie unabhängig von demografischen oder migrationsbedingten Unterschieden.
Mit anderen Worten: Das duale System wirkt als Stabilisierungsfaktor – es ermöglicht mehr Jugendlichen, eine anerkannte Ausbildung abzuschliessen und dauerhaft in den Arbeitsmarkt einzutreten.

Das duale System bleibt ein zentraler Hebel für die Wirtschaft
Diese Realität bestätigt, was die Wirtschaft seit langem beobachtet: Die duale Berufsbildung ist ein besonders effizienter Weg zur Qualifikation.
Der Wechsel zwischen Betrieb und Schule ermöglicht einen schrittweisen Einstieg in die Berufswelt, einen raschen Erwerb konkreter Fähigkeiten und eine direkte Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft.
In vielen technischen, handwerklichen, industriellen oder Dienstleistungsbranchen eröffnet ein EFZ schnell attraktive Lohnperspektiven und lässt gleichzeitig zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen: eidgenössischer Fachausweis, höhere Fachschule oder Fachhochschule.
Freiburg: noch ungenutztes Potenzial
Für Freiburg zeigt die Analyse, dass weitere Anstrengungen zur Wertschätzung der Berufsbildung notwendig sind.
Der Kanton verfügt über ein stark engagiertes wirtschaftliches Umfeld in der Ausbildung, doch die Zahlen zeigen, dass noch Potenzial besteht, die Gesamtzertifizierung zu steigern.
Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, die Anzahl der Berufsbildungsplätze zu erhöhen, sondern auch das Verständnis für mögliche Bildungswege bei Jugendlichen und ihren Familien zu stärken.
Familien, insbesondere mit Migrationshintergrund, besser informieren
Der Artikel betont auch eine praktische Realität: Viele Familien, die nicht in der Schweiz aufgewachsen sind, verstehen die Logik des dualen Systems nur unzureichend und betrachten das Gymnasium oft noch als einzigen Weg zum Erfolg.
In diesem Kontext erscheinen Informationsabende für ausländische Gemeinschaften als besonders wirkungsvolles Instrument. Sie ermöglichen es konkret zu erklären:
- berufliche Möglichkeiten
- mögliche Übergänge und Weiterbildungen
- realistische Lohnperspektiven
- Karriereentwicklungen nach einer Berufsbildung
Ein nachhaltiges wirtschaftliches und gesellschaftliches Anliegen
Angesichts des Fachkräftemangels bleibt die Attraktivität der Berufsbildung ein zentrales Thema für die kantonale Wirtschaft.
Bessere Information, klare Erklärungen und stärkere Wertschätzung der dualen Bildungswege sind heute ein konkreter Hebel, um die Schweiz ihrem Ziel der umfassenden Zertifizierung näherzubringen.
Source: Article Avenir Suisse
