Die vor über einem Jahrhundert gegründete SSO Fribourg entstand aus dem Bestreben heraus, die Zahnärzte des Kantons zu vereinen, um ihr Berufsfeld zu vertreten, klare Standesregeln festzulegen und eine qualitativ hochwertige zahnärztliche Versorgung zu gewährleisten. Im Laufe der Zeit hat der Verband seine Rolle ausgeweitet. Heute steht er im Dialog mit den kantonalen Behörden, organisiert Fortbildungen, koordiniert Branchenbelange und engagiert sich in mehreren Projekten mit sozialer Ausrichtung. Dieses soziale Engagement ist zu einem seiner wichtigsten Markenzeichen geworden. Die Freiburger Sektion hat massgeblich dazu beigetragen, die obligatorische jährliche Zahnkontrolle für Schülerinnen und Schüler einzuführen. Zudem bietet sie ein Gutscheinsystem an, das es Jugendlichen nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit ermöglicht, während drei Jahren kostenlose jährliche Kontrolluntersuchungen bei SSO-Zahnärztinnen und -Zahnärzten in Anspruch zu nehmen. «Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche nach der obligatorischen Schule nicht mehr zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen, einfach weil sie sich dies nicht leisten können oder die Kontrolluntersuchungen aufschieben.
Einige Jahre später stehen sie dann vor umfassenderen Behandlungen und hohen Kosten. Genau diesen Unterbruch wollen wir vermeiden », erklärt Bianca Cordey. Die SSO Freiburg engagiert sich zudem für Menschen in armutsbetroffenen Lebenssituationen, die nicht zwangsläufig Sozialhilfe beziehen. Das Projekt «Mundgesundheit für alle», das in Freiburg ins Leben gerufen wurde und sich anschliessend auf nationaler Ebene etabliert hat, veranschaulicht das Bestreben, frühzeitig zu handeln, bevor sich die Situation der Betroffenen verschlechtert. Der Verband engagiert sich ausserdem für die Prävention in Pflegeheimen, mit dem Ziel, die Betreuung zu verbessern sowie das Personal im Bereich der Mundhygiene zu schulen. «Heute behalten ältere Menschen deutlich häufiger ihre natürlichen Zähne als früher, ein Erfolg des Schweizer Modells. Wenn die Zähne in Pflegeheimen oder zu Hause jedoch nicht mehr richtig gepflegt werden, treten rasch Probleme auf. Wir müssen daher jetzt handeln, bevor daraus ein grösseres Problem entsteht», fasst die Präsidentin zusammen.

Ein liberaler Beruf, den es zu bewahren gilt
Dieses soziale Engagement stellt ihrer Ansicht nach die Grundlagen des Schweizer Modells nicht in Frage. Für Bianca Cordey funktioniert die Zahnmedizin, weil sie auf Eigenverantwortung, Prävention und der direkten Beziehung zwischen Praxis und Patientinnen und Patienten beruht. Zahnarztpraxen sind zwar, wie alle Unternehmen, von steigenden Mieten sowie von höheren Lohn-, Energie- und Materialkosten betroffen. Doch das Dentotar®-Tarifsystem, das auf transparenten Positionen und einem von jeder Praxis festgelegten Punktwert basiert, lässt Spielraum für Anpassungen. Diese Flexibilität ermöglicht es aus Cordeys Sicht, direkt mit den Patientinnen und Patienten je nach ihren medizinischen, ästhetischen und finanziellen Bedürfnissen zu sprechen. Auch aus diesem Grund lehnt die SSO es ab, die zahnärztliche Versorgung in die Krankenversicherung zu integrieren. «Wir möchten in unserem Beruf lieber unabhängig bleiben. Sobald ein Versicherungssystem zwischen den Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie den Patientinnen und Patienten steht, bedeutet das mehr Verwaltungsaufwand und standardisierte Entscheidungsprozesse, was nicht unbedingt zu einer besseren Qualität führt. Was wir bewahren wollen, ist eine menschliche, patientennahe Zahnmedizin mit echter beruflicher Verantwortung», betont Bianca Cordey.
Ausbilden, modernisieren, vertreten
Die Verteidigung der Berufsinteressen erfolgt auch über die Ausbildung. Die SSO Freiburg ist an der Koordination der dualen Ausbildung von Dentalassistentinnen und Dentalassistenten beteiligt, einem Berufsbildungsgang, zu dessen Aufbau der Verband im Kanton erheblich beigetragen hat. Die Nachfrage ist so ross, dass mittlerweile zwei Klassen geführt werden. Der Verband setzt sich zudem für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, insbesondere für höhere Löhne, um die Attraktivität eines Berufs zu erhalten, der für den reibungslosen Betrieb von Zahnarztpraxen unverzichtbar ist. In diesem Zusammenhang ist die Unterstützung durch den Freiburger Arbeitgeberverband (FAV) von grosser praktischer Bedeutung. Seit fast einem Jahr arbeitet die SSO Freiburg in den Bereichen Sekretariatsführung, Finanzen und Administration mit dem FAV zusammen. Durch die Entlastung des Vorstands von administrativen Aufgaben ermöglicht diese Partnerschaft dem Verband, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Vertretung des Berufsstands, Projekte vor Ort und den politischen Dialog. Gleichzeitig bietet diese Zusammenarbeit der Sektion einen solideren Rahmen, um sich an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen und ihre Prioritäten noch effizienter umzusetzen.
