Die Handels- und Industriekammer des Kantons Freiburg (HIKF) und der Freiburger Arbeitgeberverband (FAV) lancieren die Plattform Nachhaltigkeit Freiburg, eine kantonale Anlaufstelle, die Unternehmen bei ihrer nachhaltigen Transformation begleitet. Parallel dazu hat der FAV eine Dienstleistung «Nachhaltigkeit» geschaffen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden und das Angebot an die Gegebenheiten der Freiburger KMU anzupassen. Ziel ist es, KMU bei ihrer nachhaltigen Transformation zu begleiten, damit Nachhaltigkeit zu einem Wettbewerbsvorteil und nicht zu einer zusätzlichen administrativen Belastung wird.

Den Energieverbrauch senken, um Kosten zu sparen. In die Arbeitsbedingungen investieren, um Mitarbeitende zu binden und Talente zu gewinnen. Die eigenen Umweltpraktiken dokumentieren, um den Anforderungen eines Auftraggebers gerecht zu werden. So zeigt sich Nachhaltigkeit ganz konkret für ein Freiburger KMU. Fernab von grossen Absichtserklärungen handelt es sich um einen pragmatischen Ansatz, der auf drei untrennbaren Aspekten beruht: Umwelt, Wirtschaft und Soziales. «Man spricht immer vom Aspekt der Umwelt, aber Nachhaltigkeit umfasst eigentlich drei Dimensionen», sagt Laura Jan du Chêne, Projektleiterin Nachhaltigkeit beim FAV. Sie fügt hinzu: «Wenn ein Unternehmen im Umweltbereich Einsparungen erzielt, bringt dies auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Und diesen Gewinn kann es wiederum in Mitarbeitende investieren.» Eine Vision, die besonders im Freiburger Wirtschaftsgefüge Anklang findet, wo bereits zahlreiche KMU in Ausbildung, Integration und Arbeitsbedingungen investieren, oft ohne dies ausdrücklich unter dem Etikett der Nachhaltigkeit zu formulieren.
Ein eigener Dienst zur Anpassung des Angebots für KMU
Nachhaltigkeit ist zwar ein globales Thema, doch bei ihrer Umsetzung muss zwingend die Situation jedes einzelnen Unternehmens berücksichtigt werden. Ein KMU mit zehn Mitarbeitenden verfügt weder über die Ressourcen noch über die Bedürfnisse eines Industriekonzerns. Genau aus diesem Grund hat der FAV beschlossen, eine eigene ienstleistung «Nachhaltigkeit» zu schaffen. «Unsere Aufgabe ist es, zu informieren,
sensibilisieren und Unternehmen, die diesen Weg beschreiten möchten, die erforderlichen Instrumente zur Verfügung zu stellen und die nötige Unterstützung zu bieten», erklärt Laura Jan du Chêne. Diese Dienstleistung bildet die operative Grundlage für das Engagement des FAV. Er ermöglicht es, bestehende Instrumente und Programme entsprechend den spezifischen Bedürfnissen seiner Mitglieder zu prüfen, anzupassen und zugänglich zu machen. Denn auch wenn die Herausforderungen dieselben sind, unterscheiden sich die Handlungsmöglichkeiten von Branche zu Branche erheblich. Im Bauwesen ist es oft der Druck der Auftraggebenden, der Veränderungen vorantreibt. Im Handwerk steht häufig die Kontrolle der Energiekosten im Vordergrund. Im Dienstleistungsbereich geht es stärker um das Ansehen und die Attraktivität als Arbeitgebende.
Ein Ansprechpartner für den gesamten Kanton
In diesem Sinne wurde die Plattform Nachhaltigkeit Freiburg ins Leben gerufen, die gemeinsam vom FAV und der HIKF getragen wird. Die Annäherung zwischen den beiden bedeutendsten Wirtschaftsorganisationen des Kantons ist kein Zufall. Diese Partnerschaft entstand aus einer günstigen Konstellation. Der FAV war bereits seit mehreren Jahren bestrebt, ein Nachhaltigkeitsangebot für seine Mitglieder zu entwickeln, ohne dass die entsprechend ausgeloteten Möglichkeiten zum Erfolg geführt hätten. Im Verlaufe des Jahres 2025 kam die HIKF auf den FAV zu, um die eigene Dienstleistung gemeinsam weiterzuentwickeln. «Wir sind zwei grosse Wirtschaftsakteure, aber unsere Mitglieder haben nicht das gleiche Profil», betont Reto Julmy und fügt hinzu: «Die HIKF vertritt eher exportorientierte Grossunternehmen, wir hingegen die KMU. Die Idee ist, Dienstleistungen zu entwickeln, die das gesamte wirtschaftliche Gefüge des Kantons Freiburg auf koordinierte und komplementäre Weise abdecken.» Der Direktor präzisiert zudem, dass der FAV in enger Zusammenarbeit mit der HIKF die Entwicklung der zukünftigen Plattform vorantreiben will. Diese basiert auf drei Säulen. Die erste zielt darauf ab, zu informieren, zu sensibilisieren und zu inspirieren, etwa durch bewährte Formate wie das Wirtschaftsforum für nachhaltige Entwicklung, die Cafés #2030, gezielte Schulungen sowie thematische Veranstaltungen zu den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit.
Die zweite Säule begleitet Unternehmen ganz konkret, insbesondere über DuraCheck (www.duracheck.ch), ein Tool zur Überprüfung der Einhaltung regulatorischer Vorgaben, sowie über einen Nachhaltigkeits-Check-up mit einer einstündigen Beratung. Die dritte verfolgt das Ziel, eine gemeinsame Stimme der Wirtschaft zu diesen Themen zu sein, gestützt auf Partnerschaften mit Swiss Triple Impact und Projets21 sowie mit der Stiftung Carbon Fri. Was sagen Sie Unternehmerinnen und Unternehmern, die noch zögern? «In Branchen mit starkem Wettbewerb ist dies eine Möglichkeit für KMU, sich von der Konkurrenz abzuheben und ihre Vorbildrolle zu unterstreichen. In Branchen, in denen Arbeitskräfte schwer zu finden sind, werden angesehene Unternehmen die besten Talente für sich gewinnen», antwortet Laura Jan du Chêne. Ein stichhaltiges Argument, das in einem Kanton, in dem der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nach wie vor zu den Hauptanliegen der Unternehmerinnen und Unternehmer gehört, auf Resonanz stösst. Die Plattform Nachhaltigkeit Freiburg ist keine Antwort auf alle Fragen, aber sie bietet einen konkreten Ansatzpunkt, der an die realen Gegebenheiten der Praxis angepasst ist.

Agenda Energie: alle Weiterbildungen auf einen Klick
Die im Kanton Freiburg entstandene Online-Plattform «Agenda Energie» bündelt Weiterbildungen, Konferenzen und Fachveranstaltungen im Energiebereich mit Schwerpunkt auf dem Bausektor. Die Idee ist einfach: einen Überblick zu bieten über Angebote, die bisher auf zahlreiche Akteure und Kanäle verstreut waren. Die Plattform wurde vom Amt für Energie des Kantons Freiburg ins Leben gerufen und wird heute von der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg im Rahmen des Programms Energie-FR im Auftrag des Bundesamtes für Energie verwaltet. Aufgeführt werden ausschliesslich Ausbildungen, die von öffentlichen Einrichtungen – Kantonen, Hochschulen, Dachverbänden – angeboten oder in deren Auftrag durchgeführt werden. Dadurch sind Qualität und Unabhängigkeit der Inhalte gewährleistet. Jeder Ausbildungsgang hat seine eigenen Anforderungen und Zielgruppen. Der Zugang zur Plattform ist jedoch frei und kostenlos.
Die Plattform wurde zunächst in der Westschweiz gestartet und nach und nach auf die Deutschschweiz und das Tessin ausgeweitet. Im Jahr 2025 wurden dort mehr als 600 Veranstaltungen erfasst, die in Französisch, Deutsch und Italienisch angeboten werden. Rund 30 Schulungen sind online zugänglich, sodass eine Teilnahme ohne Anreise möglich ist.
Für Sofia Marazzi, Koordinatorin des Projekts, entspricht die Plattform einem konkreten Bedarf: «Sie bietet eine gute Gelegenheit, sich über das Angebot im Energiebereich zu informieren, und zwar in sehr unterschiedlichen Formaten, von Weiterbildungen über mehrtägige Veranstaltungsreihen zur Vertiefung eines Themas bis hin zu thematischen Informationsabenden.» Ein klarer Vorteil für Fachleute der Branche.
Seitens des FAV ist das Engagement deutlich: Daniel Bürdel, stellvertretender Direktor, sitzt im Lenkungsausschuss von Energie-FR und bekräftigt damit das Interesse des FAV an der Kompetenzsteigerung der Freiburger Unternehmen in diesem strategischen Bereich. Die von der Plattform Nachhaltigkeit Freiburg angebotenen Schulungen und Workshops finden sich übrigens ebenfalls in der Agenda Energie.
Weitere Informationen zu den verfügbaren
Angeboten: www.agenda-energie.ch